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zur Geschichte der Großkabinenschwebe- und Standseilbahnen in Deutschland, Österreich und Südtirol
Maschinenfabrik Esslingen - der führende Hersteller von Standseilbahnen in Deutschland Ende des 19. / Anfang des 20. Jahrhunderts Gründer des Unternehmens war der badische Ingenieur und Unternehmer Emil Kessler sen. (1813 - 1876), welcher seit 1837 die erste Lokomotivfabrik Südwestdeutschlands in Karlsruhe betrieb. Aus dem Mitarbeiterstamm der Kesslerschen Maschinenfabrik ragt Niklaus Riggenbach (1817 - 1899), einer der bedeutendsten Schweizer Eisenbahnpioniere hervor, der 1940 als junger Mitarbeiter zunächst für zwei Jahre zu Kessler kam. Nach einer kurzen Tätigkeit in Basel zog es Riggenbach erneut nach Karlsruhe, wo er in kurzer Zeit in die Geschäftsführung aufstieg. Niklaus Riggenbach war in seiner Karlsruher Zeit an der Konstruktion von über 150 Lokomotiven beteiligt, so auch an der Maschine "Limmat", welche auf der am 9.8.1847 eröffneten Schweizer Nordbahn, auch "Spanisch - Brötlibahn" genannt, zum Einsatz kam. Riggenbach brachte die Maschine persönlich in die Schweiz und erprobte sie auf der Strecke Zürich - Schlieren. Bis zum Jahr 1853 blieb Riggenbach in Karlsruhe - in diesem Jahr berief ihn das Direktorium der Schweizer Centralbahn Gesellschaft zum Direktor der Maschinenwerkstätte. 1845 schrieb die Württembergische Regierung die Gründung einer Fabrik aus, welche Lokomotiven, Wagen, Weichen und Drehscheiben für die Württembergische Eisenbahn produzieren sollte - man wollte nicht mehr von den Importen aus anderen Ländern abhängig sein. An dieser Ausschreibung beteiligten sich der Münchner Fabrikant Maffei sowie Emil Kessler, zum damaligen Zeitpunkt 33 Jahre alt. Im Ergebnis des Ausschreibungsverfahrens betraute die Kommission Kessler mit der Gründung der Maschinenfabrik Esslingen, für die sich die Bezeichnung "ME" in den Geschichtsbüchern eingebürgert hat. Bereits nach zwei Jahren war ein Werk errichtet, in dem 450 Arbeiter Lohn und Brot fanden. Die Produktion von Dampflokomotiven und Waggons begann, 1852 folgten die ersten Neckardampfschiffe; 1957 hatte ME schon über 1000 Be- schäftigte. 1853 baute ME zehn Stutztenderlokomotiven für die österreichische Semmeringbahn, insgesamt wurden 170 Lokomotiven dieser Bauart für Österreich, die Schweiz und Frankreich produziert. 1867/68 bricht ME das britische Exportmonopol für den Lokomotivenexport nach Übersee; 20 Loko- motiven für die ostindische Eisenbahn Kalkutta - Dehli werden ausgeliefert, 1875 folgen 54 Lokomotiven für die russische Uralbahn. Dass ME einer der ersten "Global-Player" war zeigt die Tatsache, dass für die Jahre 1877 - 81 gesehen das Rußlandgeschäft 55 % des Gesamtumsatzes von ME aus- machte.1872 beginnt der Straßenbahnbau mit der Lieferung von Wagen für die Pferdestraßenbahn Stuttgart - Berg. Bedeutende Eisenbauten, wie das Panoramagebäude in München (1882) folgen, 1884 beginnt der Bau von Zahnradbahnen. Natürlich wollte man als "Vollunternehmen", welches alle Bereiche des damaligen Transportwesens bediente, auch bei der Errichtung von Standseilbahnanlagen vertreten sein. Dies auch auf Grund der Tatsache, dass ab den 1870-er Jahren die touristische Erschließung der Gebirgsregionen begann. So wurden 18885 die ersten beiden Standseilbahnen von ME in Portugal und Italien errichtet. Den Ruhm, die erste Standseilbahn Deutschlands zu errichten, verpasste ME allerdings - die Zeitzer Drahtseilbahn war ein Werk von Johann Tretrop, Inhaber eines Baugeschäftes und Bahnmeister der Thüringischen Eisenbahngesellschaft. Dafür kamen die nächsten fünf Bahnen aus Esslingen. 1887 liefert ME für die Gaisbergbahn bei Salzburg reine Zahnradlokomotiven mit zwei Treibzahnrädern, im gleichen Jahr lässt G. Daimler sein erstes vierrädriges Fahrzeug bei ME auf Motorbetrieb umrüsten. 1884 liefert ME bereits die 2000. Lokomotive aus, ebenfalls die Bahn Nr. 1 der Zahnradbahn Stuttgart - Degerloch - ME ist Gründungsmitglied dieser Bahn. 1902 liefert ME die Triebgestelle für die auf elektrischen Antrieb umgestellte Stuttgarter Zahnradbahn. Für die südamerikanische Bergbahn zwischen Argentinien und Chile (65 km Zahnstange) werden 1912 Lokomotiven mit 87,5 t Dienstgewicht geliefert, welche ein Riggenbach-Triebwerk mit einem Zahnrad System Abt kombinieren. 1913 liefert ME für die 439 km lange Aica La-Paz-Bahn, die einen Höhenunterschied von 4080 m überwindet schwere meterspurige Adhäsions- und Zahnradlokomotiven mit 92 t Dienstge- wicht. 1917 werden die leistungsfähigsten Dampflokomotiven der Welt hergestellt, die 1-F (sechsfachgekuppelten) Güterzuglokomotiven. 1924 verlässt die 4000. Lokomotive der Klasse C die Produktionshallen. 1924: Beginn der Diesellokproduktion zusammen mit MAN. 1935 baut die chilenische Vertretung von ME, die Firma Ferrostaal in Santiago, zehn überschwere Lokomotiven (2500 PS, 183 t Dienstgewicht mit Tender) für die chilenische Staatsbahn. Im gleichen Jahr stellt ME anlässlich der Hundertjahrfeier der Deutschen Eisenbahn in Nürnberg den ersten Wechselstrom-Schnelltriebwagen für 160 km/h vor - Gesamtleistung 1450 PS. 1941 baut ME die stärkste elektrische Zahnradlokomotive der Welt - System Riggenbach - für die A. Ribbeck'schen Montanwerke in Halle, weitere Zahnradlokomotiven mit "Rekordwerten" folgen. 1954 liefert ME die stärkste sechsfach gekuppelte Meterspur-Zahnradloko- motive an Argentinien. 1959 lieferte ME 350 Stück vierachsige Straßenbahnwagen vom Typ GT 4 an die Stuttgarter SSB AG - die größte für einen deutschen Straßenbahnbetrieb gebaute einheitliche Fahrzeugserie. Originalfahrzeuge von ME sind im Strassenbahnmuseum der SSB AG zu sehen und, bei Museumsfahrten, auch im Fahrbetrieb zu erleben. 1963 wird die letzte Dampflokomotive der Kgl. Württembergischen Staatsbahn feierlich ausge- mustert; die im Jahre 1914 in Dienst gestellte Lokomotive legte insgesamt 2,8 Millionen km zurück. 1965 wurde ME vom damaligen Hauptaktionär, der Gutehoffnungshütte aus Oberhausen, an die Daimler-Benz-AG Stuttgart verkauft. 1966 wurde die letzte Dampfzahnradlokomotive ausgeliefert - das Kapitel Lokomotiv- und Waggonbau war beendet. 1968 ging die Belegschaft in die Daimler-Benz-AG sowie in die Fahrzeugwerke Esslingen GmbH (Produktion von Flurfördermitteln) über. ME existierte lediglich als Grundstücksverwaltungsgesellschaft weiter, die 2002 ihre endgültige Auflösung be- schloss. Die Unterlagen zur Geschichte von ME befinden sich im  Heritage Information Center der Daimler AG Stuttgart; ich danke Herrn Rebus / Heritage Information Centre für die zur Verfügung gestellten Informationen.
Die Bilder zeigen neben einem Firmenprospekt aus dem Jahr 1935 die Standseilbahn Floribanen bei Bergen, die Rittersturzbahn Koblenz, die Merkurbahn Baden-Baden sowie die Standseilbahn zum Waldfgriedhof Suttgart. Die Fotodateien wurden vom Heritage Information Center der Daimler AG Stuttgart zur Verfügung gestellt.